Vyšehrad: Festung, Friedhof und der Blick auf die Moldau
Vyšehrad liegt südlich des Zentrums auf einem Felsen über der Moldau und ist der Ort, an dem die Prager Stadtgeschichte der Legende nach beginnt: Hier soll Libuše geweissagt haben, dass an der Moldau eine große Stadt entstehen wird. Heute ist das Gelände eine weitläufige Festung mit Bastionen, Parkflächen und erstaunlich wenig Besuchern – zumindest im Vergleich zur Burg auf der anderen Flussseite.
Du erreichst Vyšehrad am bequemsten über den U-Bahnhof Vyšehrad, von dem du zu Fuß auf das Plateau hinaufgehst, oder über die Straßenbahnhaltestelle Albertov am Fuß des Felsens, wenn du den Anstieg nicht scheust. Im Inneren der Mauern steht die Basilika St. Peter und Paul mit ihren beiden neugotischen Türmen, daneben der Friedhof, der für Tschechen das ist, was der Père Lachaise für Pariser ist. Hier liegen Antonín Dvořák, Bedřich Smetana, Alfons Mucha und Jan Neruda; viele Grabmale sind kleine Kunstwerke. Überragt wird die Anlage vom Slavín-Denkmal, einem gemeinsamen Grabmal für bedeutende Persönlichkeiten der Nation.
Nimm dir Zeit für den Rundgang auf den Festungsmauern. Von der Südseite schaust du auf die Moldau, die hier einen weiten Bogen zieht, auf den Stadtteil Podolí am gegenüberliegenden Ufer und auf die Eisenbahnbrücke unterhalb des Felsens. Wer mehr will, kann die Kasematten besichtigen, in denen Originalstatuen der Karlsbrücke lagern. Vyšehrad funktioniert als Halbtagesprogramm: zwei bis drei Stunden sind realistisch, wenn du Friedhof, Basilika und Mauerweg verbindest.
Letná: Metronom, Skater und Biergarten über den Brücken
Der Letná-Hügel liegt nördlich der Altstadt auf der anderen Moldauseite und ist von dort zu Fuß über die Čech-Brücke und eine lange Treppe zu erreichen. Oben steht das große rote Metronom, das dort schwingt, wo einst das Stalin-Denkmal thronte – eines der größten Standbilder, die je für ihn errichtet wurden, und nach dessen Sturz gesprengt. Der Sockel ist geblieben, die Aussichtsplattform davor gehört heute Skatern und ist einer der bekanntesten Treffpunkte der Prager Jugend.
Von der Plattform aus siehst du die Moldaubögen mit mehreren Brücken hintereinander, darunter die Karlsbrücke, und dahinter die Altstadtdächer. Das ist einer der besten Überblicke der Stadt, und er kostet nichts als den Treppenaufstieg.
Ein paar Minuten weiter westlich im Park liegt der Letná-Biergarten: einfache Bänke und Tische im Schatten alter Bäume, davor die Brüstung mit demselben Flussblick, dazu frisch Gezapftes vom Ausschank. An warmen Abenden ist hier halb Prag unterwegs. Wenn du weiter durch den Park wanderst, kommst du am Hanavský-Pavillon vorbei, einem Jugendstilbau über dem Abhang, und kannst die Runde über die Chotek-Brücke Richtung Burg verlängern. Letná ist der richtige Ort für den späten Nachmittag, wenn das Licht flach über dem Fluss liegt.
Top-Aktivitäten in Prag
Vinohrady: Jugendstilfassaden und der Riegrovy sady
Vinohrady, das „Weinbergviertel“, ist ein Gründerzeit- und Jugendstilviertel östlich des Zentrums, in dem Prag so aussieht, wie die Menschen hier tatsächlich leben: breite Straßen, reich verzierte Fassaden, Cafés mit Stammgästen, kaum Souvenirläden. Das Viertel eignet sich weniger zum Abhaken von Sehenswürdigkeiten als zum Flanieren – und genau das macht es zur Erholung nach der Altstadt.
Zwei Plätze geben Orientierung. Am Náměstí Míru steht die Backsteinkirche St. Ludmila mit ihren Doppeltürmen, der Platz davor ist der ruhige Mittelpunkt des Viertels. Das Náměstí Jiřího z Poděbrad weiter nördlich wird von der markanten Kirche des slowenischen Architekten Jože Plečnik beherrscht; vor der Kirche findet regelmäßig ein Bauernmarkt statt – die Termine stehen an den Plakaten am Platz und auf den Ankündigungen der Marktbetreiber.
Das Herz des Viertels ist aber der Riegrovy sady, ein großer Park am Hang. Von seiner oberen Wiese siehst du über die Dächer bis zur Burg – einer der schönsten Sonnenuntergangspunkte Prags, entsprechend belebt am Abend. Unten am Hang gibt es einen großen Biergarten, dazu Liegewiesen, auf denen im Sommer gegrillt, gespielt und gelesen wird. Wenn du nur einen Abend in Vinohrady hast, verbringe ihn hier: durch die Straßen um den Náměstí Míru bummeln, dann hinauf in den Park.
Žižkov: Der Fernsehturm mit den krabbelnden Babys
Gleich hinter Vinohrady beginnt Žižkov, ein Arbeiter- und Kneipenviertel, und über allem ragt der Žižkov-Fernsehturm. Der Turm aus den 1980er Jahren mit seinen drei pfeilerartigen Stützen und den kapselförmigen Aufbauten galt lange als Schandfleck – bis der Künstler David Černý schwarze Babyfiguren an den Pfeilern hochkrabbeln ließ. Die Babys sind inzwischen zum Wahrzeichen geworden, und der Turm wird eher bewundert als geschmäht.
Du kannst mit dem Aufzug zur Aussichtsplattform fahren; der Blick geht über die ganze Stadt und ist der einzige, in dem die Prager Burg zusammen mit dem Fernsehturm selbst nicht im Bild stört – weil du auf ihm stehst. Einige der Babyfiguren stehen übrigens auch am Boden im Park Kampa, falls du sie aus der Nähe sehen willst, ohne nach Žižkov zu fahren.
Žižkov lohnt sich auch abseits des Turms: Das Viertel hat eine hohe Kneipendichte, und am Fuß des Hügels erinnert das Nationaldenkmal auf dem Vítkov mit dem riesigen Reiterstandbild des Jan Žižka an den Hussitenführer, nach dem der Stadtteil benannt ist. Vom Denkmal aus hast du einen weiteren guten Blick über die Stadt.
Mit der Straßenbahn 22 durch die Stadt
Die Linie 22 ist die bekannteste Straßenbahn Prags und verbindet auf ihrer Strecke viele der Orte, die du ohnehin sehen willst. Sie fährt vom Osten der Stadt durch das Zentrum, vorbei am Nationaltheater, weiter zur Haltestelle Újezd am Fuß des Petřín-Hügels, dann über die Kleinseite mit dem Malostranské náměstí hinauf zur Prager Burg und weiter nach Pohořelec beim Strahov-Kloster bis ins Klosterviertel Břevnov.
Für dich heißt das: Die 22 ersetzt auf langen Abschnitten den Bergauf-Fußmarsch zur Burg. Steig an der Kleinseite zu, fahr bis Pohořelec und geh von dort bergab durch den Burgbezirk – das ist angenehmer als der Aufstieg von der Karlsbrücke aus. Die Haltestellen und die aktuelle Streckenführung prüfst du am besten in der Fahrplanauskunft des Prager Verkehrsbetriebs oder direkt an den Haltestellen, denn Baustellen ändern in Prag immer wieder einzelne Abschnitte.
Die Fahrt selbst ist schon ein Programm: Die alten Tatra-Wagen rumpeln durch enge Straßen, und aus dem Fenster zieht die Stadt vorbei. Tickets kaufst du vor dem Einstieg an Automaten oder per App und entwertest sie im Wagen.
Ein Tag jenseits der Altstadt: So kombinierst du die Viertel
Die Orte dieses Artikels lassen sich gut zu einer Tagesroute verbinden, ohne dass du hetzt. Beginne am Vormittag auf Vyšehrad, wenn der Friedhof noch still ist, und geh den Mauerweg mit dem Moldaublick. Fahre dann zurück ins Zentrum und weiter zur Karlsbrücke – über die Čech-Brücke und die Treppe hinauf auf den Letná-Hügel zum Metronom. Nach dem Blick über die Brücken gönnst du dir eine Pause im Biergarten.
Am späten Nachmittag geht es quer durch die Stadt nach Vinohrady: ein Bummel über das Náměstí Míru und das Jiřího z Poděbrad, dann hinauf in den Riegrovy sady für den Abend auf der Wiese über den Dächern. Den Žižkov-Fernsehturm nimmst du entweder am selben Tag noch mit – er liegt nur einen kurzen Abstecher entfernt – oder hebst ihn dir für einen zweiten Tag auf, kombiniert mit dem Nationaldenkmal auf dem Vítkov.
Wenn du zwei Tage hast, verteile die Stationen so: Tag eins für Vyšehrad und Letná, Tag zwei für Vinohrady und Žižkov. So bleibt Zeit, in den Vierteln einfach herumzulaufen – und genau dafür sind sie gedacht.