Die venezianischen Mauern als Orientierung

Die Altstadt von Nikosia wird von einem nahezu vollständig erhaltenen Festungsring umschlossen, den die Venezianer im 16. Jahrhundert gegen die Osmanen errichteten. Er hat die Form eines elfzackigen Sterns, und diese Zacken – die Bastionen – helfen dir bei der Orientierung besser als jeder Stadtplan. Drei historische Tore führen durch den Ring: das Paphos-Tor im Westen, das Famagusta-Tor im Osten und das Kyrenia-Tor im Norden, das heute auf der türkisch-zypriotischen Seite liegt.

Für deinen Rundgang bedeutet das: Alles, was dich interessiert, liegt innerhalb dieses Rings oder unmittelbar daran. Die Entfernungen sind kurz, du kannst die gesamte Altstadt beider Seiten an einem Tag zu Fuß abdecken. Sinnvoll ist es, morgens im Süden zu beginnen und den Grenzübertritt in die Mitte des Tages zu legen, damit du auf der Nordseite genug Zeit für Han und Moschee hast.

Ein Teil des Festungsrings ist auf der Südseite begeh- oder befahrbar gemacht worden, etwa am Famagusta-Tor, das heute als Kulturzentrum genutzt wird. Entlang der Bastionen siehst du immer wieder die sogenannte Grüne Linie, die die Stadt seit 1974 teilt: verbarrikadierte Straßenenden, verlassene Häuser im Niemandsland, Beobachtungsposten. Das gehört zum Stadtbild und ist kein abgesperrtes Museum, sondern gelebte Gegenwart.

Vom Eleftheria-Platz in die Ledra-Straße

Der natürliche Ausgangspunkt auf der Südseite ist der Eleftheria-Platz am Rand der Altstadt, der in den letzten Jahren durch einen markanten Neubau von Zaha Hadid umgestaltet wurde. Von dort führt die Ledra-Straße, die wichtigste Einkaufsstraße der Altstadt, schnurgerade nach Norden – direkt auf die Grenze zu.

Die Ledra-Straße ist Fußgängerzone und war jahrzehntelang selbst geteilt: An ihrem oberen Ende stand bis 2008 eine Mauer, deren Öffnung damals weltweit Schlagzeilen machte. Heute gehst du zwischen Geschäften und Cafés auf die Kontrollstelle zu. Kurz davor lohnt ein Abstecher zur Aussichtsplattform im Shacolas Tower in der Ledra-Straße, von der du die ganze Stadt überblickst – einschließlich der Nordseite mit der riesigen, auf dem Pentadaktylos-Berg sichtbaren Flagge, die nachts beleuchtet ist.

Wenn du die Grenze nicht überqueren willst oder kannst, endet der Spaziergang hier an der Absperrung. Für alle anderen beginnt an dieser Stelle der eigentlich ungewöhnliche Teil des Tages.

Anzeige · in Zusammenarbeit mit GetYourGuide

Top-Aktivitäten in Zypern

Du möchtest Zypern nicht nur anschauen, sondern erleben? Hier findest du beliebte Touren, Ausflüge und Tickets, die andere Reisende besonders gut bewertet haben – ideal, um deine Reise vorab zu planen oder spontan vor Ort etwas zu buchen.
Powered by GetYourGuide

Grenzübertritt Ledra Street: Ablauf, Ausweis und Regeln

Der Übergang Ledra Street ist nur für Fußgänger und Radfahrer gedacht und der bequemste Weg, die Altstadt beider Seiten zu verbinden. Der Ablauf ist einfach, aber du solltest ihn kennen: Zuerst passierst du die Kontrolle der Republik Zypern, dann gehst du ein kurzes Stück durch die Pufferzone der Vereinten Nationen, danach folgt die Kontrolle auf der türkisch-zypriotischen Seite.

Du brauchst in jedem Fall einen gültigen Personalausweis oder Reisepass – Führerschein oder Kopien reichen nicht. Als EU-Bürgerin oder EU-Bürger bekommst du in der Regel keinen Stempel in den Pass, sondern die Einreise in den Norden wird auf einem separaten Zettel vermerkt, den du beim Rückweg wieder abgibst. Nimm den Zettel ernst und verliere ihn nicht unterwegs.

Zwei Regeln solltest du beachten: Erstens darfst du Waren, die du im Norden kaufst, nur in begrenztem Umfang in den Süden mitnehmen; bei Zigaretten und Alkohol gelten Mengenbeschränkungen, deren aktuelle Höhe du am besten vor Ort an der Kontrollstelle oder beim Zoll der Republik Zypern erfragen solltest. Zweitens ist das Fotografieren von Militärposten und Kontrollanlagen untersagt – die Schilder dazu sind unübersehbar, und die Posten achten darauf.

Die Rückkehr in den Süden funktioniert am selben Übergang genauso unkompliziert. Plane für beide Kontrollen zusammen etwas Zeit ein; an Wochenenden und in der Hauptsaison kann es Warteschlangen geben.

Büyük Han und Selimiye-Moschee auf der Nordseite

Direkt hinter dem Übergang führt dich die Arasta-Straße, eine überdachte Marktstraße mit Kunsthandwerksläden, in die Altstadt von Nord-Nikosia. Dein erstes Ziel sollte der Büyük Han sein, der „Große Karawanserei“, den die Osmanen kurz nach der Eroberung der Stadt 1572 errichteten. Der rechteckige Bau mit seinem Innenhof, der kleinen Moschee auf Säulen in der Mitte und den zweistöckigen Arkaden gilt als einer der schönsten osmanischen Bauten Zyperns. Heute befinden sich in den ehemaligen Handelszellen Werkstätten, Galerien und Cafés; der Eintritt in den Hof ist frei. Hier kannst du gut eine Pause einlegen, bevor du weitergehst.

Wenige Minuten entfernt steht die Selimiye-Moschee, das eindrucksvollste Bauwerk der Nordseite. Sie war ursprünglich die gotische Kathedrale der Lusignan-Könige, in der die zyprischen Monarchen gekrönt wurden, und wurde nach der osmanischen Eroberung in eine Moschee umgewandelt – die Minarette kamen auf die unvollendeten Türme der Kathedrale. Der Kontrast zwischen gotischem Innenraum und islamischem Gebetssaal ist ungewöhnlich und sehenswert.

Für den Besuch gelten die üblichen Moschee-Regeln: Schuhe ausziehen, Schultern und Knie bedeckt, Frauen tragen ein Kopftuch – Tücher liegen am Eingang bereit. Während der Gebetszeiten ist der Innenraum für Besucher gesperrt; die Zeiten hängen am Aushang am Eingang aus. Zwischen Han und Moschee liegt der Bedesten, eine ehemalige Markthalle aus byzantinischer und osmanischer Zeit, die heute für Veranstaltungen genutzt wird – wenn sie geöffnet ist, lohnt der Blick hinein.

Zypern-Museum: die Inselgeschichte vor der Grenze

Zurück auf der Südseite solltest du dem Zypern-Museum Zeit einräumen, das unmittelbar außerhalb der venezianischen Mauern nahe dem Paphos-Tor liegt. Es ist das wichtigste archäologische Museum der Insel und gibt dir den Kontext für alles, was du auf Zypern sonst siehst: von neolithischen Siedlungen über die Stadt­königreiche bis zur römischen Zeit.

Besonders stark ist die Sammlung bei den Terrakotta-Figuren und der antiken Skulptur, darunter die berühmte Aphrodite von Soloi. Die Räume sind chronologisch geordnet, sodass du auch mit einer Stunde einen sinnvollen Überblick bekommst; für die komplette Sammlung solltest du zwei Stunden einplanen. Da das Museum tagsüber heiß besucht sein kann, ist der frühe Vormittag oder der späte Nachmittag die ruhigere Wahl.

Das Museum passt gut ans Ende deines Rundgangs, weil es außerhalb des engen Altstadtgewebes liegt und du von dort aus nicht mehr durch die Einkaufsstraßen zurückmusst.

Laiki Geitonia und die südliche Altstadt

Zwischen Eleftheria-Platz und Ledra-Straße liegt Laiki Geitonia, das „Volksviertel“, ein restauriertes Altstadtquartier mit gepflasterten Gassen, niedrigen Häusern und traditioneller Architektur. Es ist bewusst für Besucher hergerichtet worden und wirkt entsprechend gepflegt – weniger authentisches Wohnviertel als vielmehr ein Schaufenster zyprischer Bauweise. Trotzdem lohnt der Bummel, denn hier sitzen Werkstätten und kleine Läden, und die Gassen sind angenehm schattig.

Wer es ursprünglicher mag, geht ein paar Straßen weiter westlich in die Viertel um die Faneromeni-Kirche mit ihrem Marmormausoleum oder in Richtung Chrysaliniotissa, dem ältesten Kirchenviertel der Stadt nahe der Grünen Linie. Dort steht die Chrysaliniotissa-Kirche, und die Straßen enden teils abrupt an der Pufferzone – ein Eindruck, der dir die Teilung näherbringt als jede Ausstellung.

Die Omeriye-Moschee nahe dem Kyrenia-Tor auf der Südseite zeigt zudem, dass die osmanische Geschichte nicht an der Grenze aufhört: Sie ist geöffnet und wird von der muslimischen Gemeinde der Stadt genutzt.

Reihenfolge für einen Tag in beiden Stadthälften

Eine bewährte Reihenfolge für den Tag sieht so aus: Beginne am Eleftheria-Platz, durchquere Laiki Geitonia und folge der Ledra-Straße nach Norden. Nach dem Grenzübertritt besuchst du Arasta-Straße, Büyük Han und Selimiye-Moschee und isst auf der Nordseite zu Mittag – dort zahlst du in türkischer Lira, viele Läden akzeptieren aber auch Euro. Am Nachmittag gehst du zurück über den Ledra-Street-Übergang und schließt mit dem Zypern-Museum ab, das bis zum frühen Abend geöffnet hat; die genauen Zeiten prüfst du am besten auf der Website des Museums oder am Eingang, da sie saisonal variieren.

Für den Rundgang brauchst du keine Verkehrsmittel – alles liegt zu Fuß. Bequemes Schuhwerk ist wegen des Kopfsteinpflasters in den Altstadtgassen sinnvoll, und im Sommer solltest du den Grenzübertritt und die Nordseite in die kühleren Stunden legen, denn in den Gassen um den Büyük Han steht die Hitze.