Lugana: Weißwein zwischen Sirmione und Peschiera
Das Lugana-Gebiet liegt in der flachen Ebene südlich des Sees, grob zwischen Sirmione, Desenzano del Garda, Peschiera del Garda und den Orten Pozzolengo und Lonato im Hinterland. Hier wächst auf kalkhaltigem Tonboden die Rebsorte Turbiana, aus der ein frischer, mineralischer Weißwein entsteht – jener Lugana, der am See fast überall im Glas landet. Neben der jungen, fruchtigen Version gibt es gereifte Varianten, die länger im Keller liegen und deutlich mehr Tiefe haben.
Die Landschaft ist flach und überschaubar, deshalb eignet sie sich gut für eine Erkundung per Fahrrad oder zu Fuß. Von Sirmione aus führen kleine Straßen durch die Rebflächen Richtung Pozzolengo, vorbei an Weingütern, die Verkostungen anbieten. Viele Betriebe erwarten eine Anmeldung, besonders außerhalb der Saison; eine kurze Nachricht am Vortag reicht meist. Wer ohne Auto unterwegs ist, erreicht das Gebiet bequem über Desenzano oder Peschiera, beide haben Bahnhöfe an der Strecke Mailand–Venedig und liegen nur wenige Kilometer vom Weinland entfernt.
Eine sinnvolle Reihenfolge: vormittags durch die Halbinsel von Sirmione mit der Skaligerburg und den römischen Ruinen an der Spitze, nachmittags in die Weinberge hinter dem Ort. So verbindest du die bekannteste Sehenswürdigkeit des Südufers direkt mit dem Wein, der dort wächst.
Bardolino: Rotwein und Chiaretto am Ostufer
Am Ostufer, zwischen Lazise und Garda, liegt die Heimat des Bardolino. Der Rotwein wird vor allem aus den Rebsorten Corvina und Rondinella gekeltert und ist leicht, fruchtig und unkompliziert – ein Wein, der bewusst nicht auf Lagerung, sondern auf Trinkfreude ausgelegt ist. Aus denselben Trauben entsteht der Chiaretto, ein blassrosafarbener Wein, der am Ostufer mindestens so präsent ist wie der Rotwein und eiskalt serviert zum Sommer am See gehört.
Die Weinberge ziehen sich von der Uferpromenade von Bardolino hinauf in die Hügel nach Costermano, Cavaion Veronese und Affi. In Bardolino selbst gibt es ein Weinmuseum, das die Geschichte des Anbaus am See zeigt, und entlang der Straße ins Hinterland liegen zahlreiche Weingüter mit Verkauf und Verkostung. Wer mehrere Betriebe vergleichen will, fährt am besten eine Schleife über Cavaion und Costermano: Die Hügellage bringt etwas strukturiertere Weine als die flachen Lagen direkt am Ufer, und der Unterschied ist im Glas gut nachzuvollziehen.
Die Strada del Bardolino, die ausgeschilderte Weinstraße des Gebiets, verbindet die wichtigsten Orte und Weingüter. Sie ist als Autoroute gedacht, lässt sich aber in Etappen auch mit dem Rad fahren, wenn du die Steigungen ins Hinterland nicht scheust.
Top-Aktivitäten in Gardasee
Ölmühlen und Garda-DOP-Öl an der Riviera degli Olivi
Das Ostufer zwischen Bardolino und Malcesine wird nicht umsonst Riviera degli Olivi genannt. Das milde Mikroklima des Sees erlaubt Olivenanbau weit nördlich der üblichen Grenzen, und das Öl aus dieser Gegend trägt die geschützte Herkunftsbezeichnung Garda DOP. Es schmeckt spürbar milder und weniger bitter als Öle aus Süditalien, mit fruchtigen und mandeligen Noten – typisch für die hier dominierende Sorte Casaliva, ergänzt durch Leccino und Frantoio.
Ölmühlen, auf Italienisch Frantoi, findest du vor allem im Hinterland von Bardolino und Garda sowie am Westufer. In Cisano di Bardolino gibt es ein kleines Ölmuseum, das die traditionelle Verarbeitung zeigt. Die spannendste Zeit für einen Besuch ist die Ernte im Oktober und November, wenn die Mühlen laufen und du das frische, noch grünliche Öl direkt probieren kannst. Viele Mühlen öffnen in dieser Zeit für Verkostungen; welche Betriebe gerade Besucher empfangen, erfährst du aktuell bei den Tourismusbüros der Uferorte oder auf den Seiten der Mühlen selbst.
Beim Kauf lohnt ein Blick auf das Etikett: Nur Öle mit der DOP-Kennzeichnung stammen garantiert aus dem Gardaseegebiet und aus den dort zugelassenen Sorten. Öle ohne diese Angabe können durchaus gut sein, müssen aber nicht aus lokalen Oliven gepresst sein.
Weinwanderungen durch Reben und Olivenhaine
Die Hügel hinter dem Ostufer sind von einem Netz kleiner Straßen und Feldwege durchzogen, die sich ohne besondere Ausrüstung erwandern lassen. Eine reizvolle Runde führt von Bardolino hinauf nach Costermano und weiter durch die Weinberge Richtung Cavaion Veronese – ein Wechsel aus Rebzeilen, Olivenhainen und Zypressenalleen, mit immer wieder freiem Blick auf den See. Für die Rückkehr ins Tal kannst du eine andere Route wählen und so eine Schleife statt eines Hin- und Rückwegs gehen.
Am Südufer ist das Gelände flacher: Zwischen Sirmione und Pozzolengo führen Wege mitten durch das Lugana-Gebiet, vorbei an Weingütern, in denen du die Wanderung mit einer Verkostung verbinden kannst. Wegen der Ebene eignet sich diese Strecke auch für weniger geübte Wanderer und für das Rad.
Für beide Regionen gilt: Markierte Wanderkarten und aktuelle Wegbeschreibungen bekommst du in den Tourismusbüros von Bardolino, Lazise, Garda und Desenzano. Manche Gemeinden und Weinkonsortien organisieren in der Saison geführte Weinwanderungen mit Stationen bei Winzern – Termine stehen in den Veranstaltungskalendern der Orte, die sich von Jahr zu Jahr ändern.
Weinfeste im Herbst: Bardolino und die Nachbarorte
Der Herbst ist die Festsaison am Ostufer. Das bekannteste ist das Trauben- und Weinfest in Bardolino, das traditionell rund um die Erntezeit Anfang Oktober stattfindet: Die Uferpromenade wird zur Festmeile mit Ständen der Winzer, Verkostungen von Bardolino und Chiaretto und Essensständen. Auch kleinere Orte im Hinterland feiern ihre eigenen Weinfeste und Sagre, oft mit lokalem Fokus und deutlich weniger Trubel.
Da die Termine jährlich festgelegt werden, prüfst du sie am besten über die Veranstaltungskalender der Gemeinden oder die Pro Loco der jeweiligen Orte, bevor du die Reise planst. Wer gezielt zum Fest nach Bardolino kommt, sollte das Auto stehen lassen: An Festwochenenden sind die Zufahrten und Parkplätze am Ostufer stark belastet. Die Fähren und Schnellboote der Navigazione Laghi verbinden Bardolino mit Garda, Lazise, Sirmione und anderen Uferorten; die aktuellen Fahrpläne und Saisonzeiten findest du auf der Website des Schifffahrtsbetriebs.
Coregone, Schleie und Forelle: Seefisch in den Trattorien
Der See liefert den Küchen am Ufer seit Jahrhunderten Fisch, und zwei Gerichte solltest du kennen. Coregone, auch Lavarello genannt, ist ein Felchen aus dem See, der meist gegrillt oder im Ofen gebacken wird – ein feines, mildes Fischgericht, das hervorragend zum Lugana passt. Das zweite ist Risotto mit Schleie, auf der Karte als Risotto con la tinca: Die Schleie wird gedünstet, entgrätet und mit dem Reis vermischt, ein rustikales Gericht, das vor allem am Südufer und entlang des Mincio zuhause ist.
Daneben begegnen dir Saibling, Seeforelle, Sardinen vom See und als Vorspeise der Carpione – ein süß-sauer marinierter gebratener Seefisch, der kalt serviert wird. Gute Adressen dafür sind die Trattorien in den Altstädten von Sirmione, Peschiera del Garda, Lazise, Bardolino und Torri del Benaco; wer es ruhiger mag, findet in den Agriturismi der Hügel um Cavaion, Costermano und Pastrengo Küche, die See- und Landprodukte kombiniert. Ein Blick auf die Tageskarte lohnt sich: Frischer Seefisch hängt vom Fang ab, und was heute gefangen wurde, steht oft handschriftlich dabei.
Zur Einordnung der Weine: Der leichte Bardolino passt zu Pasta, Fleisch und den Antipasti der Region, der Chiaretto zu Fischvorspeisen und Sommergerichten, der Lugana zum gegrillten Coregone. Wer das Öl der Region in der Küche erleben will, bestellt Gerichte, bei denen es pur auf den Tisch kommt – etwa gegrillter Fisch oder Gemüse, die nur mit Garda-DOP-Öl vollendet werden.
Eine Genussroute für drei Tage am Süd- und Ostufer
Wer Wein, Öl und Seefisch in einer Reise verbinden will, fährt am besten gegen den Uhrzeigersinn. Tag eins gehört dem Südufer: morgens Sirmione mit Burg und Halbinsel, nachmittags eine Rad- oder Wanderrunde durch die Lugana-Weinberge Richtung Pozzolengo mit Verkostung, abends Coregone in einer Trattoria am Hafen von Peschiera oder Desenzano.
Tag zwei führt ans Ostufer: mit dem Auto oder der Fähre nach Bardolino, Besuch des Weinmuseums und einer Ölmühle in Cisano, danach die Schleife über Cavaion und Costermano mit Stopp bei einem Weingut. Wer im Herbst reist, plant diesen Tag um die Erntezeit der Oliven oder ein Weinfest herum. Tag drei steht für die Höhe: von Garda oder Torri del Benaco eine Wanderung durch die Olivenhaine oberhalb des Ufers, danach Risotto con la tinca und ein letztes Glas Lugana am Wasser, bevor es zurück geht.